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gothicparadise.de
- January, 2004
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Von Dresden Dolls

Den etwas ungewöhnlichen Namen THE DRESDEN DOLLS tragen zwei Bostoner Musiker. Amanda Palmer (Piano, Gesang) und Brian Viglione (Schlagzeug) versetzen den Hörer in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts zurück. Der Ort des musikalischen Geschehens ist Deutschland, genaugenommen die Weimarer Republik – die sogenannten Goldenen 20er oder auch die Roaring Twenties.

Allein das Artwork der CD ist mehr als vorbildlich. Gehalten ist das aufklappbare Digipack in Schwarz-weiß, überwiegend mit Fotografien im Stile der 20er und 30er Jahre. Das Titelbild ist mit einem Rosengewächs am Rand verziert und beeindruckt so schon beim bloßen Anblick der CD. Wirklich vorbildlich.

Wendet man sich nun schließlich der eigentlich Musik zu, erwartet einen eine verspielte und zunächst sorgenlos erscheinende Amanda Palmer, die sich selbst am Klavier begleitet und vor Selbstbewusstsein im Eröffnungssong „Good Day“ gerade so sprüht. Die Schlagzeugbegleitung von Brian Viglione wirkt passend und untermalt das Treiben indem sie den Spannungsbogen weiter ausdehnt. Bei „Girl Anachronism“ wird diese sorgenlose Stimmung erweitert indem der Song zunächst A Kapella beginnt, was ein bisschen an ein verspieltes Schulmädchen erinnert, das einfach nur singt, weil es gerade Lust dazu hat. Der Rhythmus des Liedes ist äußerst einprägsam und deswegen besitzt dieser Song sogar so etwas wie Ohrwurmcharakter, wenn man das bei dieser Musik überhaupt so sagen kann. Denn eines ist auch klar, die Eigenart der Musik macht es unwahrscheinlich, dass man sich sofort beim ersten Hören heimisch fühlt. Es ist kein Album der leicht verdaulichen Sorte, dafür aber eines mit besonders hohen künstlerischen Anspruch.
Während „Missed Me“ etwas monoton erscheint und eins der schwächeren Stücke ist, ist der Song „Half Jack“ ein besonderer Leckerbissen, weil er, gerade durch die wirklich charismatische Stimme Amandas, eine bittertraurige Stimmung verbreitet.

„Coin – Operated Boy“ schmettert es einem dann wie aus dem Nichts kommend in einer naiv-optimistischen, verspielt wirkenden aber irgendwie sympathischen Art und Weise entgegen. Für mich der beste Song des Albums, weil er durch seine Rhythmuswechsel und den verträumt vorgetragenen Vocals ein ganz eigenen Spannungsbogen aufbaut.

THE DRESDEN DOLLS haben es mit ihrem gleichnamigen Debütalbum verstanden, den Zauber der Weimarer Republik mit den Errungenschaften moderner Rock-Musik zu verbinden, wobei zwar nicht jeder Song hundertprozentig überzeugen kann, insgesamt gesehen aber ist das Album durchaus ein gelungenes Erstlingswerk. Das es trotzdem nicht jeden Geschmacksnerv treffen wird, ist vorprogrammiert, allerdings sind THE DRESDEN DOLLS für alle, die auf der Suche nach erfrischend verspielter und trotzdem nicht anspruchsloser Musik sind, der Geheimtipp überhaupt.